Einfach besser leben

Weichmacher in Plastik

Eisbecher aus PlastikDie Zahnbürste, der Fleece-Pulli, der Kugelschreiber, das Mobiltelefon, der Duschvorhang, die Käseverpackung …. all diese Dinge haben eins gemeinsam: Sie enthalten in der Regel Kunststoffe oder sind ganz aus Ihnen hergestellt. Plastik ist ein beliebter Werkstoff, denn er ist leicht herzustellen und lässt sich durch seine Formbarkeit zu unendlich vielen Produkten verarbeiten. Verbraucher fragen sich: Sind Kunststoffprodukte tatsächlich so unbedenklich wie behauptet wird? Was sind „Weichmacher“ und wo sind sie drin?

Plastik: Produkte aus Kunststoff sind überall

Plastik ist ein Überbegriff für eine Vielzahl von Kunststoffen auf der Basis von Erdöl. Im Jahr 2008 wurden nach einer Studie von PlasticsEurope in Europa 48,5 Millionen Tonnen Plastik verbraucht. Der Löwenanteil, nämlich 38%, fiel dabei auf Kunststoff-Verpackungen. Von den 2,6 Millionen Tonnen Plastik, welche die Deutschen im Jahr 2007 für Verpackungen verbrauchten, wurden 63 % in der Kreislauf zurückgeführt. Wiederverwertung hört sich gut an, jedoch kann man die Sache aus anders herum betrachten: Der nicht recycelte Rest – etwa eine Million Tonnen – landete bis vor einigen Jahren noch auf der Mülldeponie, wo er wahrscheinlich noch heute liegt und in kleinere Teile zerbröckelt. Mittlerweile wird der Restmüll nach einer nochmaligen Sortierung verbrannt, wodurch zwar Energie gewonnen wird, was jedoch andererseits die Atmosphäre mit dem Treibhausgas Kohlenstoffdioxid belastet.

Plastikmüll im Ozean

Richtig verrotten tun die Plastiktüte und das Paar abgelegter Gummistiefel also nicht. Gelangen derartige Kunststoffprodukte in Flüsse und Meere, so wie sechs Millionen Tonnen der weltweiten Plastikproduktion, dann werden die Gegenstände von den Meereskräften in winzige Teile zermahlen. Das hat tödlichen Folgen für manche Seevögel, die den Plastikmüll mit Futter verwechseln und an ihre Küken verfüttern. Doch mal abgesehen von der Umweltverschmutzung, sind die uns täglich umgebenden Plastiksachen gesundheitlich völlig unbedenklich?

Gefahren durch Weichmacher im Kunststoff?

Über diese Frage wird weltweit gestritten und die verschiedenen Länder und Behörden kommen dabei zu unterschiedlichen Einschätzungen. Besonders im Verdacht stehen die so genannten „Weichmacher“, chemische Stoffe aus der Gruppe der „Phthalate“. Man braucht sie, um bestimmten Kunststoffen ihre Biegsamkeit zu verleihen. Jedoch stecken nicht in allen Kunststoffprodukten Phthalate drin. Untersuchungen legen den Schluss nahe, dass die Weichmacher für die zunehmende Unfruchtbarkeit von Männern verantwortlich ist. Das könnte daran liegen, dass die Phthalate den weiblichen Östrogenen sehr ähnlich sind und wie diese auf den Organismus wirken. Auch bestimmte Krebsarten und Herzerkrankungen werden mit dem ubiquitären Vorhandensein von Weichmachern in Zusammenhang gebracht.

Wo sind Weichermacher drin?

Phthalate werden vor allem bei der Herstellung von PVC-Produkten eingesetzt, da der Stoff ansonsten zu spröde ist. Folgende Produkte können aus PVC gefertigt sein und Weichmacher enthalten, die dann bei Benutzung abgerieben und herausgelöst werden und so in die Umwelt gelangen.:

* Bodenbeläge
* Dispersionen, Farben/Lacke
* Vinyl-Handschuhe
* Schuhsohlen
* Teppichböden
* Kinderspielzeug
* Abflussrohre
* Kabel
* Dichtemassen
* Lebensmitteltransportbänder
* Nagellacken
* Kosmetika
* Klebstoffen
* Textilindustrie
* pharmazeutische Produkte

Viele Kunststoffprodukte tragen einen eingeprägten Code, der Aufschluss über den verwendeten Grundstoff gibt. Es kommt jedoch auch häufig vor, dass dieser Hinweis fehlt. Hier können Sie nachlesen, welche Kunststoff-Codes für welchen Stoff stehen und welche Produkte daraus hergestellt werden.

Sind Plastikverpackungen für Lebensmittel unbedenklich?

Joghurt, Butterschälchen, Quarkbecher, die meisten Kunststoffverpackungen für Lebensmittel bestehen aus PE (Polyethylen) oder PP (Polypropylen). Zur Herstellung dieser Stoffe sind keine Weichmacher nötig. Auch Tetra-Packs sind innen mit PE beschichtet. Getränkeflaschen werden aus PET (Polyethylenterephthalat) gefertigt. Auch dazu wird normalerweise kein Weichmacher benötigt. Sind diese Materialien also gesundheitlich unbedenklich? PE wird durch Polymerisation aus Ethylen gewonnen. Das Monomer ist ein gasförmiger Stoff, der für den Menschen ungiftig ist. Doch bei der PE-Produktion kommen zahlreiche andere Chemikalien zum Einsatz. Welche das sind und wie viel von jedem einzelnen im Endprodukt drin sein darf kann man in einer Datenbank des Bundesministerium für Risikobewertung BfR einsehen. Sie Tabelle nennt sich: BfR-Empfehlungen zu Materialien für den Lebensmittelkontakt (ehemals „Kunststoff-empfehlungen“)

Schaut man sich das Datenblatt für PE an, so wird selbst der gebildete Laie erschreckt, da die Liste der erlaubten Zutaten nur so vor chemischen Bezeichnungen wimmelt. Auch wenn bei der Herstellung von PE-Lebensmittelverpackungen keine Weichmacher eingesetzt werden, so zeigt ein Blick auf die Liste, dass eine Vielzahl chemischer Stoffe im PE enthalten sein können, zum Beispiel Reste von Katalysatoren, Zersetzungsprodukte der Emulgatoren u.s.w. Zwar sind die Mengen klein und gesetzlich geregelt, jedoch ist durchaus anzunehmen, dass all diese Stoffe auch in das Lebensmittel wandern können. Das BfR stuft das, aufgrund der geringen Mengen, im Fall von PE und PP allerdings als gesundheitlich unbedenklich ein.

unbedenkliche Verpackung!

Was kann ich tun?

Es nicht leicht, Plastikprodukte vollständig zu vermeiden, aber es gibt Menschen, die das versuchen. Familie Krautwaschl aus Graz hat es probiert und berichtet im Internet auf „keinheimfuerplastik.at“ über ihre Erfahrungen mit dem „plastikfreien Leben“.
Spontan fallen mir einige Tipps ein, die dazu beitragen könnten, weniger Verpackungsmüll zu produzieren. Dazu gehören mehrere Aspekte, die alle unter den Begriff „Nachhaltigkeit“ fallen.

* Selbstversorgung mit Gemüse aus dem eigenen Garten
* Weniger konsumieren
* Qualität anstatt Quantität
* Mehr reparieren, anstatt wegzuschmeißen
* Brauchbares Verschenken, anstatt es auf dem Müll zu deponieren
* Holzspielzeug und Naturerlebnisse anstatt Barbie-Puppen-Playmobil-Panik im Kinderzimmer
* Selber backen
* Geschenke selber machen
* Nie ohne Einkaufskorb oder Stofftasche losziehen
* Butterbrotpapier anstatt Frischhaltefolie
* Metallgeschirr anstatt Plastikdosen
* in der Eisdiele immer die Waffel nehmen

Liebe LeserInnen: Was können wir noch tun, um den Verbrauch von Kunststoffen zu senken? An welcher Stelle im Alltag gibt es sinnvolle Alternativen zum Plastik? Ich freue mich über zahlreiche Vorschläge.

Quellen: Plastic-Planet.de
copyright: Gudrun-Aimée Spalke

6 Kommentare

  1. Hervorragende Worte. Der Autor hat Mut. Die URL ist wirklich glaubwürdig. Besten Dank. Alles spielt

  2. Im Film “Unser täglich Gift” wird im Zusammenhang mit Weichmachern insbesondere auch auf Getränkeflaschen aus Polycarbonat abgehoben – aber auch PET wir in dem Zusammenhang genannt. Es wäre interessant, kritische Chemiker (falls es so etwas gibt…) dazu zu hören.

    Was PVC betrifft, wird dieser Stoff ganz besonders intensiv im Garten eingesetzt – aber auch in Wasser-Ableitungen. Beispiele: Werkzeug, Teichbahnen, Aufbau von Gründächern(!), Zisternen, Abwasserleitungen. Wasser, das über solche Teile seinen Weg genommen hat, transportiert die Weichmacher auch in das selbstangebaute Gemüse. Bei Männern, die nur eine einzige Woche lang ausschließlich aus Getränkeflaschen getrunken hatten, verdoppelte sich die Produktion weiblicher Hormone…

  3. Da ist der Autorin wohl ein Fehler unterlaufen. Die Aussagen im Artikel wiedersprechen sich. Zitat: “Besonders im Verdacht stehen die so genannten „Weichmacher“, chemische Stoffe aus der Gruppe der „Phthalate“.” und weiter heißt es dann “Getränkeflaschen werden aus PET (Polyethylenterephthalat) gefertigt. Auch dazu wird normalerweise kein Weichmacher benötigt.” hier steckt der Weichmacher ja schon im Namen drin.

    • Hallo Frau Andersen,
      vielen Dank für ihren Kommentar. Mein Artikel ist an dieser Stelle wohl nicht ausführlich genug. Hier kommt eine genauere Beschreibung, was Weichmacher sind und woraus sie bestehen können: Nicht alle chemischen Verbindungen in denen das Wort “Phthalat” vorkommt sind per se Weichmacher. Zudem gibt es auch Stoffe, zum Beispiel Zitronensäuretriethylester, die Weichmacher sind und auch so eingesetzt werden, die jedoch mit Phthalaten nichts zu tun hat. PET (Polyethylenterephthalat) ist ein langkettiges Molekül, ein Phthalsäureester und selbst kein Weichmacher, auch wenn der Name das vermuten lässt. Man stellt den Kunststoff aus Terephthalsäure (daher der Name “…terephthalat”) und Ethylenglycol her. Es handelt sich bei PET also rein chemisch gesehen um das Kondensationsprodukt einer Säure (Terephthalsäure) und eines Alkohols (Ethylenglycol). Weichmacher wie zum Beispiel das bekannte Bisphenol A oder Diethylhexylphthalat (DEHP) werden bei der Herstellung von PET nicht eingesetzt.

      Allerdings gibt es durchaus Argumente gegen einen Gebrauch von PET-Flaschen für Getränke. Bei der chemischen Reaktion wird nämlich auch Atimon(III)oxid verwendet, um die Ausbeute zu steigern. Spuren dieses Stoffes lassen sich in den Flaschen nachweisen. Lesen Sie hierzu auch die Stellungnahme des Bundesinstitutes für Risikobewertung BfR
      Ich hoffe, Ihre Fragen geklärt zu haben
      Grüße
      Gudrun-Aimée Spalke

  4. Im Laufe der letzten Jahre fand ich vier Wege, meiner biochemischen Verweiblichung entgegenzuwirken, damit ich kein Softie und kein Weichei werde.

    1. Muskelarbeit im Garten und im Wald
    2. Drastisches Reduzieren zubereiteter Nahrungsmittel, bevorzugter Einkauf von Lebensmitteln und Trockenware
    3. Verzicht auf Sojaprodukte, Bier und weitere Produkte mit weiblichen Hormonen
    4. Entblössen des Feminismus

    Stutzig macht mich die Hemmungslosigkeit, mit der Plastikverpackungen für Bioware genutzt werden. Irgendwie fühlte ich mich mit den beschichteten Papieren sicherer, die ich aus meiner Kindheit in den Fünfzigern kenne. Allerdings war die Aluminiumkanne genauso überflüssig wie die noch nicht homogenisierte und pasteurisierte Kälbernahrung darin, die ich beim Kaufmann zum täglichen Konsum zapfen ließ.

    Es gibt immer noch viel zu lernen und zu verstehen! Bleiben wir am Ball! Kohlendioxid ist kein Umweltgift, sondern für Pflanzen ein Lebensmittel. Das Wetter wird durch die Sonne und durch die Erde gestaltet.

    Ach, und der Müll, der mit viel Plastik und Stoff für Hollywood-Filme auf Kalifornien zutreibt, stammt von Japan, verursacht durch einen Tsunami. Die Netzfrauen kolportieren eine andere Geschichte, aber die Schweizer kümmert das nicht:
    http://www.20min.ch/panorama/news/story/Monstroese-Abfall-Insel-steuert-auf-Kalifornien-zu-17164225

    Hans Kolpak
    Goldige Zeiten

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