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Ökologisch Bauen mit Lehm

Kirche Rädel

Lehm ist ein Naturstoff, der sich aus Ton und verschiedenen Sanden zusammensetzt. Er muss nicht extra hergestellt werden, man findet ihn in der Erde. Gemischt mit feinem Kies und Wasser ist Lehm ein sehr vielseitiger Baustoff. Allerdings muss man ihn vor Nässe schützen. In unseren Breiten würde ein ungeschütztes Lehmhaus schnell vom Regen aufgeweicht sein und zerfallen. Allerdings eignet sich Lehm vorzüglich als Innenputz von Wohnräumen. In unserem Haus in Rädel haben wir vor einigen Wochen die Wände mit Lehmputz versehen.

Die Vorteile des Baustoffs Lehm

Da Lehm in der Region Potsdam Mittelmark verfügbar ist, muss er nicht von weit hergeschafft werden. Das schont die Umwelt und trägt zu einer positiven CO2-Bilanz bei. Lehm ist von Natur aus schadstofffrei. Man kann ohne Probleme mit den nackten Händen darin herumwühlen, selbst wenn etwas ins Auge geht, macht das nicht allzu viel aus. Einfach mit klarem Wasser abspülen. Wenn Lehm trocknet, wird er hart, kann aber jederzeit durch Zusatz von Wasser wieder aufgeweicht werden. Er lässt sich also wieder verwerten. Das ist bei Wandputzen auf Kunststoff- oder Zementbasis nicht möglich.

Lehm ist leicht zu verarbeiten. Selbst Laien können nach  fachkundiger Anleitung in kurzer Zeit damit arbeiten. Es macht Spaß mit Lehm zu verputzen. Der Stoff riecht wie feuchter Sand. Enthält er viel Ton, klebt er sehr gut. In einer Mischung mit Stroh kann man  ohne Probleme größere Löcher im Mauerwerk damit füllen. Mit reichlich Wasser und mithilfe eines dicken Quasts lässt er sich fein verstreichen. Fürs Raumklima gibt es nicht besseres als eine mit Lehm verputzte Wand, da der Baustoff Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben kann. Die Wände können atmen. Das tut vor allem älteren Gebäuden gut. Lehmwände überdauern sehr lange Zeiträume ohne alt zu werden. Wir haben in unserem Haus 250 Jahre alte Lehmputze freigelegt. Man musste lediglich den Anschluss an den Holzbalken neu herstellen.

Lehmbau-Event in Rädel

Die Arbeiten an unserem Haus wurden unter Anleitung der Ökologischen Werkstätten Günther Wlosnewski (Brandenburg/Havel) durchgeführt. Dabei haben viele Freunde und Freundinnen geholfen. Der Lehmputz wurde mit einer von Herrn Wlosnewski selbst gebauten Mischmaschine gemischt und dann mithilfe eines dicken Schlauchs ins Haus gepumpt und an die Wände gespritzt. Dort wurde der Lehm verstrichen und musste dann erst einmal abtrocknen. Dieses Verfahren wurde mehrmals wiederholt. Zur Stabilisierung des Putzes wurde in einen der letzten Durchgänge ein Kunststoffnetz mit eingeputzt. Dadurch wird verhindert, dass der Putz Risse bekommt. Die Deckenarbeiten, sowie das Schließen von Rissen zwischen altem Putz und Holzbalken haben wir selbst ausgeführt. Die Wände haben wir den Fachmännern überlassen.

Der Lehmputz muss nach der Fertigstellung etwa drei Wochen abtrocknen. Dabei wurde er durch die Heizung vorsichtig temperiert. Tägliches Lüften war notwendig. Die fertige gestellten Lehmwände sind glatt und fühlen sich warm an, auch die, in welchen keine Heizungsschlangen eingebettet sind. Die Farbe des Putzes ist mittelbraun und ziemlich dunkel. Deshalb wurden die meisten Wände mit Kalksumpffarbe bestrichen. Diese ist offenporig und kann aus einem Pulver selbst angerührt werden. Einige der Wandflächen haben wir nicht behandelt, was einen schönen Kontrast zum hellen Anstrich gibt.

Lehm verputzen

Die Wandheizung verschwindet unter einer dicken Schicht Lehmputz